Warum gerade Sondler besonders betroffen sind
Ein Spaziergänger kreuzt ein zeckenreiches Gelände in wenigen Minuten — wir verbringen dort Stunden. Genau das ist der Punkt: Die Lebensräume, die wir bevorzugt absuchen, sind oft identisch mit den Lebensräumen der Zecke. Waldränder und Übergangszonen zwischen Wald und offener Fläche, ungemähte Wiesen, Bach- und Flussufer, verwilderte Gärten, Hecken und niedriges Gebüsch — all das verspricht ungestörte, alte Fundgelegenheiten und ist zugleich ideales Zecken-Terrain.
Dazu kommt die Art, wie wir uns bewegen. Zecken sitzen nicht auf Bäumen und springen auch nicht — sie warten in Bodennähe an Gräsern, Farnen und niedrigen Zweigen, meist bis etwa Kniehöhe, und werden abgestreift, sobald ein Wirt vorbeistreift. Beim Sondeln gehen wir langsam, Bahn für Bahn, dicht über dem Boden, oft halb gebückt, und schwenken die Spule genau durch diese Vegetation. Wir streifen sie nicht nur kurz, wir arbeiten uns systematisch durch sie hindurch. Wer dann noch im Sitzen Funde bestimmt oder im Gras kniet, gibt ihnen zusätzlich Zeit und Kontakt.
Das ist kein Grund, das Hobby zu meiden — es ist ein Grund, Zeckenschutz so selbstverständlich in die Suchroutine einzubauen wie das Zuschieben der Löcher oder das Mitnehmen von Schrott. Wie du die spannenden, naturnahen Reviere überhaupt findest, zeigt der Ratgeber zur Suche an Land — die hier beschriebenen Schutzmaßnahmen gehören bei jedem dieser Reviere mit dazu.
FSME und Borreliose: zwei verschiedene Risiken
Im Alltag werden beide oft in einen Topf geworfen, dabei sind es zwei grundverschiedene Erkrankungen, die nur den Übertragungsweg teilen. Den Unterschied zu kennen ist nicht akademisch — er entscheidet darüber, welcher Schutz bei dir überhaupt greift.
FSME — das Virus, gegen das du dich impfen kannst
FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis und wird von einem Virus ausgelöst. Das Risiko ist nicht gleichmäßig über Deutschland verteilt: Das Robert Koch-Institut weist dazu jährlich Risikogebiete aus. Für das Jahr 2026 sind es insgesamt 185 FSME-Risikokreise; neu hinzugekommen sind dabei Nordsachsen und Halle (Saale). Der Schwerpunkt liegt seit Langem im Süden, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Der entscheidende Vorteil: Gegen FSME gibt es eine Schutzimpfung. Wer regelmäßig in einem Risikogebiet sondelt, sollte mit dem Arzt besprechen, ob sie für ihn sinnvoll ist.
Borreliose — das Bakterium, das überall lauert
Borreliose wird dagegen von Bakterien ausgelöst und kennt keine Risikogebietsgrenzen: Sie kommt bundesweit vor — auch dort, wo keine FSME-Risikokreise ausgewiesen sind. Eine Impfung gibt es dagegen nicht. Die gute Nachricht: Erkannt und behandelt ist Borreliose meist gut mit Antibiotika in den Griff zu bekommen. Genau deshalb sind frühes Entdecken des Stichs und das Beobachten der Stichstelle so wichtig — dazu unten mehr.
| FSME | Borreliose | |
|---|---|---|
| Erreger | Virus | Bakterium |
| Verbreitung | Risikogebiete, v. a. Süddeutschland | bundesweit |
| Impfung | ja, Schutzimpfung verfügbar | nein |
| Behandlung | keine ursächliche, nur Symptome | meist gut mit Antibiotika |
Die Quintessenz für uns: Die Impfung deckt nur einen Teil ab. Selbst wer gegen FSME geimpft ist, braucht weiterhin den mechanischen Schutz gegen den Stich an sich — wegen der bundesweiten Borreliose. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung; die Impf-Frage und alles Medizinische gehört in die Hände deines Arztes.
Erste Barriere: die richtige Kleidung
Der wirksamste Schutz ist der, der die Zecke gar nicht erst auf die Haut lässt. Deshalb beginnt Zeckenschutz nicht in der Apotheke, sondern beim Anziehen. Drei Grundsätze haben sich bewährt:
- Lang und geschlossen. Lange Hose, langärmeliges Oberteil, festes Schuhwerk. Wer die Hosenbeine in die Socken steckt, nimmt der Zecke den bequemsten Weg nach oben — das sieht unmodisch aus, im hohen Gras ist es Gold wert.
- Helle Farben. Auf hellem Stoff entdeckst du eine krabbelnde Zecke, bevor sie die Haut erreicht. Auf dunkler Kleidung übersiehst du sie leicht. Helle Hosen sind beim Sondeln kein Schönheitsfehler, sondern Frühwarnsystem.
- Glatte Stoffe statt rauer. An glatten, eng gewebten Materialien finden Zecken schlechter Halt als an rauen, wolligen Oberflächen. Das verschafft dir Zeit, sie abzustreifen, bevor sie eine Hautstelle erreicht.
Kleidung ist allerdings nur die erste Linie — keine Garantie. Zecken wandern, suchen Lücken an Bund, Kragen und Ärmeln und finden warme, dünnhäutige Stellen. Deshalb ergänzt der nächste Schritt die Barriere chemisch. Was sonst noch in jeden Rucksack gehört, sammelt unsere Zubehör-Checkliste — Zeckenkarte und Pinzette gehören für uns selbstverständlich dazu.
Repellents richtig einsetzen — Haut und Kleidung
Repellents sind Mittel, die Zecken abschrecken. Sie sind kein Ersatz für Kleidung und Body-Check, sondern die zweite Schicht. Entscheidend ist, wie und wo du sie aufträgst:
- Auf die Haut. Trag das Repellent auf die unbedeckten Hautpartien auf — Hände, Unterarme, Hals, Knöchel. Achte auf die Wirkdauer des jeweiligen Produkts; nach Stunden im Gelände, bei Schweiß oder nach Wasserkontakt lässt die Wirkung nach und du musst nachlegen.
- Auf die Kleidung. Das wird oft vergessen, ist aber gerade für Sondler wichtig: Behandle auch die Kleidung, vor allem Hosenbeine, Schuhe und Ärmelabschlüsse — also die Zonen, über die eine Zecke einsteigt. Auf dem Stoff hält die Wirkung in der Regel länger als auf der Haut.
Halte dich bei Dosierung, Anwendungsbereich und Anwendung bei Kindern an die Hinweise des jeweiligen Herstellers. Repellents wirken zeitlich begrenzt — bei einer ganztägigen Suchtour heißt das: einplanen, im Rucksack mitführen, nachauftragen. So oder so bleibt der dritte Schritt der wichtigste, weil er die Stiche aufdeckt, die die ersten beiden Schichten doch durchgelassen haben.
Der Body-Check: nach jeder Tour absuchen
Die wichtigste Gewohnheit überhaupt ist die gründliche Körperabsuche nach dem Aufenthalt im Gelände. Eine Zecke krabbelt nach dem Abstreifen oft erst eine Weile auf der Haut umher, bevor sie zusticht — wer sie in dieser Phase findet und entfernt, verhindert den Stich komplett. Und selbst eine bereits saugende Zecke früh zu entdecken senkt das Risiko, weil die Übertragungswahrscheinlichkeit mit der Saugdauer steigt.
Mach die Absuche zum festen Abschluss jeder Tour, am besten noch am selben Abend unter guter Beleuchtung — und schau besonders an den Stellen nach, die Zecken bevorzugen: warme, dünnhäutige, gut versteckte Bereiche.
- Kniekehlen, Leistenbereich und der Bereich rund um den Bund der Hose
- Achseln und der Bauchnabel
- Hals, Nacken und der Haaransatz — am Kopf gern übersehen
- Hinter und in den Ohren
- Generell jede Hautfalte
Auch die abgelegte Kleidung lohnt einen Blick, bevor sie in die Wäsche wandert — auf hellem Stoff fällt eine wandernde Zecke leicht auf. Wer regelmäßig sucht, macht aus dem Body-Check denselben Reflex wie aus dem Abwischen und Verstauen des Geräts — einfach Teil des Feierabends.
Zecke richtig entfernen — Schritt für Schritt
Findest du eine festsitzende Zecke, gilt: ruhig bleiben und sie zügig, aber richtig entfernen. Das Robert Koch-Institut beschreibt das Vorgehen klar — daran kannst du dich halten:
- Hautnah fassen. Greif die Zecke mit einer feinen Pinzette oder einer Zeckenkarte hautnah an den Mundwerkzeugen — also direkt über der Haut, nicht am vollgesogenen Körper.
- Langsam herausziehen. Zieh die Zecke gleichmäßig und gerade aus der Haut. Kein ruckartiges Reißen, kein Drehen mit den Fingern.
- Danach desinfizieren. Stichstelle desinfizieren und die folgenden Tage und Wochen im Blick behalten.
Ebenso wichtig ist, was du nicht tun sollst. Das RKI rät ausdrücklich davon ab, die Zecke vor dem Entfernen mit Öl, Klebstoff oder Ähnlichem zu behandeln, und sie nicht zu quetschen. Der Hintergrund: Solche Hausmittel reizen die Zecke und können dazu führen, dass sie vermehrt Speichel und Mageninhalt in die Wunde abgibt — und genau darüber gelangen Erreger in den Körper. Dasselbe gilt fürs Quetschen. Vergiss also die alten Tipps vom „Ersticken mit Öl" oder „Herausdrehen mit dem Daumen".
Bleibt beim Herausziehen ein kleiner schwarzer Rest in der Haut zurück, ist das in aller Regel unkritisch und nicht der „Kopf", sondern ein Teil der Mundwerkzeuge — meist heilt das problemlos ab. Bist du unsicher oder lässt sich die Zecke nicht sauber lösen, überlass das dem Arzt. Eine ordentliche Pinzette und eine Zeckenkarte wiegen nichts und gehören für uns in jeden Such-Rucksack, neben Pinpointer und Grabungswerkzeug.
Wann du zum Arzt gehen solltest
Die meisten Zeckenstiche verlaufen folgenlos — entwarnen kann hier aber nur ein Arzt, nicht ein Ratgeber. Behalte die Stichstelle und dein Befinden in den Wochen nach dem Stich im Auge und such ärztlichen Rat, wenn dir etwas auffällt. Anlässe, einen Arzt einzubeziehen, sind etwa:
- eine sich ausbreitende Rötung rund um die Stichstelle, die nach Tagen größer wird
- grippeähnliche Beschwerden, Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen in den Wochen nach dem Stich
- Unsicherheit beim Entfernen oder eine Zecke, die du nicht sauber herausbekommst
- generell jedes Krankheitsgefühl, das du mit dem Stich in Verbindung bringst
Es hilft, dir grob zu notieren, wann und wo du gesucht hast — gerade die Region ist für die Einordnung von FSME relevant. Das ist ohnehin gute Praxis: Wer seine Touren dokumentiert, tut das auch für seine Funddokumentation. Noch einmal in aller Deutlichkeit: Dieser Artikel ist eine Hobby-Hilfe, keine medizinische Beratung und keine Diagnose. Im Zweifel gilt immer: zum Arzt.